Watu Wote

 

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Watu Wote – all of us
von Katja Benrath, D 2017; 23 Min., Drehbuch: Julia Drache, Kamera: Felix Striegel, FSK: noch offen


Kenia ist ein Land voller Farben und Kontraste, stark gelebten Glaubensrichtungen und Diversität. Im Norden bedroht der Terrorismus die Grenzen. Und obwohl es zunächst so aussah, als könne er die Gesellschaft entlang der Religionsgrenze spalten, gibt es Zeichen, die vom Gegenteil zeugen. In den letzten Jahren wurden die Region und ihre Communities sehr geschwächt. Für die wachsende Bereitschaft zur Zugewandtheit, die hier entstanden ist, empfinde Bewunderung. Menschen stehen für einander ein, begreifen ihre Gemeinschaft wichtiger als die Religion. Beginnen, ihre Vorurteile hinter dem wichtigen Wert der Gemeinschaft anzusiedeln. Eine Haltung, die einerseits diesen lebensgefährlichen Umständen geschuldet, jedoch gerade unter diesen nicht sehr einfach zu leben ist. Und dennoch geschieht es.
Dass die muslimischen Passagiere dieses Busses ihre christlichen Mitreisenden nicht verraten haben, ist ein Merkmal des sich vollziehenden Wandels. In diesem Moment spielte Religion keine Rolle mehr. Es ging einzig und allein darum, die MENSCHEN in diesem Bus zu retten. Zusammen. Gemeinsam.
Wie die Entstehung dieses Filmes. Ein „Gemeinsam“ aus Filmemachern zweier Kontinente, die mit großer Kraft diesem Ereignis eine bleibende Form geben wollten. Als nicht kenianische Filmemacher, war uns die Gefahr eine Geschichte zu „kolonialisieren“ sehr bewusst. Einige Monate in Kenia reichen nicht, um eine Kultur bis in die letzte Faser zu erfassen. Viele Gespräche mit Menschen im Krisengebiet Mandera, mit Passagieren jenes Busses, mit engagierten Journalisten und Künstlern haben uns Demut gelehrt. Die intensive Arbeit miteinander ist mir ein Zeichen geworden, wie gut es trotz vieler Hürden und Barrieren gehen kann. Gemeinsam. Zugewandt.
Und dennoch kann ich nur im Entferntesten ermessen und vermuten, wie es in einer
lebensgefährlichen Situation wäre. Das so authentisch und erfahrbar wie möglich zu machen war unser Ziel. (Filmdatenblatt von Hamburger Media School)

Läuft am Mi. 13.12. um 19:30 Uhr in Anwesenheit des Kameramanns Felix Striegel, Moderation: Dr. Heinz Linduschka, im Anschluss Filmgespräch.

Der Erfolg, den die vier Absolventen der Hamburg Media School mit »Watu Wote« weltweit erzielen, war so nicht vorherzusehen, ist für sie und alle Beteiligten aus Kenia und aus Deutschland aber umso schöner. Mit Felix Striegel, dem preisgekrönten
Kameramann aus Erlenbach, sprach Dr. Heinz Linduschka.

Was ist für Sie das Besondere an diesem Film?
Eine der Besonderheiten bei diesem Projekt war es natürlich, in einem uns komplett fremden Land in Afrika zu drehen. Darüber hinaus bestand das Team ja auch bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich aus Kenianern und Kenianerinnen, sowohl vor als
auch hinter der Kamera. Das war eine große Herausforderung, die aber auch spannend war. Ich habe zwar schon oft im Ausland gedreht,  aber über so einen langen Zeitraum in einer ganz anderen Welt in einem fremden Kulturkreis zu leben und zu arbeiten, war schon besonders. Zum Glück hatten wir eine tolle Service-Produktion in Kenia, die uns sehr geholfen hat, vor allem wenn es darum ging, manche Dinge auf die afrikanische Weise zu lösen.

Welche Reaktionen erwarten Sie, wenn Sie im November den Film vor Ort in Kenia zeigen?
Ich hoffe auf positive Reaktionen, wobei ich da ziemlich guter Dinge bin, denn das Feedback der Leute aus Kenia auf den Trailer war durchweg sehr gut, alle waren
begeistert. Unsere Hauptdarstellerin war ja schon bei der Premiere in Hamburg dabei und hat sich sehr über das Ergebnis gefreut. Es ist uns als Team sehr wichtig, dass der Film in Kenia gut ankommt, denn wir haben ihn nicht nur mit den Menschen dort gemacht sondern auch für sie. Außerdem haben wir eine einmalige Unterstützung vor Ort erfahren, sowohl von der christlichen als auch muslimischen Gemeinschaft.
Ohne die Hilfe und Motivation aller, die bei dem Projekt mitgewirkt haben, wäre der Film niemals das geworden, was er jetzt. Wir hatten von Anfang an den Anspruch an uns selbst, keinen  europäischen Film mit Postkartenbildern von Giraffen im Sonnenuntergang zu machen – auch wenn ein paar von ihnen tatsächlich bei den Dreharbeiten in der Wüste aufgetaucht sind. Der Film soll realistisch sein und das Land und die Leute so zeigen, wie wir sie auch in den vier Monaten dort erlebt und kennen gelernt haben, und nicht die Klischees bedienen, wie man sie oft in Filmen sieht.

Watu Wote ist ja eine echte Erfolgsstory, deren Ende nicht abzusehen ist. Was dürfen wir in absehbarer Zukunft von Ihnen auf der Leinwand erwarten?
Ja, die Festivalauswertung ist noch in vollem Gange, wir sind selbst gespannt, was uns noch alles erwartet. Für nächstes Jahr ist ein Langfilm mit dem Team von Watu Wote geplant, diesmal aber etwas ganz anderes, die Geschichte spielt in Norddeutschland. Zu viel darf ich nicht verraten, die Einreichung bei der Förderung läuft gerade. Davon abgesehen gibt es den Traum, eine Langfilm-Version von Watu Wote umzusetzen, allerdings wird es eine Herausforderung, dafür die Finanzierung aufzustellen. Davon abgesehen ist es immer eine Mischung aus langfristig geplanten Projekten und dem Tagesgeschäft. Wobei es pannender ist, bei Projekten wie dem in Kenia dabei sein zu können, auch wenn sie viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Aber es lohnt sich, wenn man bei etwas dabei sein kann, das mehr als nur pure Unterhaltung ist. Da der Film gerade weltweit gezeigt wird und wir
auch persönlich auf den Festivals unterwegs sind, ergeben sich zwangsläufig neue Kontakte, wie jetzt gerade in Übersee.

 

(Interview von Dr. Heinz Linduschka für das Main Echo, Ausgabe 7.Spetember 2017)

 

 

 

 

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