Das Ende ist erst der Anfang

 

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von Bouli Lanners; F/B 2015; 98 Min.; FSK: ab 12; CinemaScope; mit Bouli Lanners, Albert Dupontel, David Murgia, Aurore Broutin, Suzanne Clément, Philippe Rebbot, Michael Lonsdale, Max von Sydow u. a.

 

Gilou (Bouli Lanners) und Cochise (Albert Dupontel) fahren mit ihrem Pick-Up durch endlose Weiten. Sie sollen ein verlorenes Handy mit sensiblen Informationen orten und ihrem Auftraggeber aushän- digen. Eine Nadel in einem verdammten Heuhaufen. Was die beiden an diesem gottverlassenen Ende der Welt machen ist klar, was aber suchen Esther (Aurore Broutin) und Willy (David Murgia) hier, ein Paar, das nicht nur verliebt ist, sondern auch auf der Flucht? Was will der Mann (Philippe Rebbot), der sich Jesus nennt und seltsame Wundmale an den Händen trägt? Und woher kommt die Mumie im Schlafsack? (Verleihinfo)

„Die belgisch-französische Landschaft so abgeritten wie in einem schäbigen Western aussehen zu lassen, das hat der belgische Schauspieler und nun auch wieder als Regisseur hinter der Kamera stehende Bouli Lanners schon in seinen vorangegangenen Filmen wie etwa ,Eldorado‘ (2008) großartig hinbekommen. Er selbst ist in ,Das Ende ist erst der Anfang‘ einer von zwei Kopfgeldjägern, die auf der Suche nach einem Handy in absurde Abenteuer geraten und unter anderem auf ein aus einer Psychiatrie ausgebrochenes Paar treffen. Obwohl Weltuntergangsstimmung herrscht, geht’s im dystopischen Plot insbesondere doch auch um die Liebe und Mitmenschlichkeit.
Das Ende der Welt ist in Bouli Lanners viertem abendfüllendem Spielfilm angekündigt. Könnte man beim Blick auf die Industrieruinen und die scheinbar am Rande jeder Zivilisation liegende graue und triste Landschaft tatsächlich meinen. Esther und Willy glauben tatsächlich auch, dass bald schon die Apokalypse hereinbricht. Das Pärchen ist nach dem Ausbruch aus einer Psychiatrie auf der Flucht, ihr Weg führt sie entlang einer wie ein Viadukt auf Stelzen geradlinig in die Landschaft gepflanzten Trasse, die Lanners in der Nähe von Orléans gefunden hat. Sie ist der stumme Zeuge eines ambitionierten Schienenprojektes namens ,Aerotrain‘, welches der damalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing Mitte der 1970er Jahre stoppen ließ. Ein bisschen wirkt diese Kulisse wie eine ,Road to nowhere‘.
Und so ist es ja auch tatsächlich für das wie Obdachlose umherstreifende Pärchen: sie sind auf der Suche nach Esthers Tochter, von der sie aber gar nicht so genau weiß, wo die sich aufhält. Esther und Willy wollen unerkannt durchs Land, haben Angst davor, wieder zurück in die Anstalt gebracht zu werden. Nahrung zu beschaffen, ist für sie schwer, und ein Geschenk für die Tochter muss auch noch her. Als Willy von einer ,Einkaufstour‘ nicht mehr zurückkommt, ist das für die geistig labile Esther der Horror.
Auch Bouli Lanners ist ein Suchender. Zusammen mit Albert Dupontel bildet er ein älteres Kopfgeldjägerduo, deren aktueller Auftrag lautet, das vermutlich gestohlene Handy ihres Bosses zu finden. Die Suche bringt sie zufällig auch mit Esther und Willy zusammen. Und nicht nur denen. Auch ein paar wild mit Waffen herumfuchtelnde Gesetzlose kreuzen auf, ebenso ein Herr, der sich Jesus nennt und später wie zum Beweis ein Loch in seiner Hand haben wird. Bemerkenswert freilich sind auch die Auftritte zweier noch älterer Herren: Michael Lonsdale (85 Jahre) und Max von Sydow (87). ,Ich war tot und bin ins Leben zurückgekehrt‘, sagt der eine, die Aufgabe des anderen ist es, die wirklich Toten würdig unter die Erde zu bringen. Was den Mumien, die ebenfalls auftauchen, ganz gewiss zu wünschen ist.
Was vielleicht etwas kryptisch und verschwurbelt klingt, macht in seiner nebulösen Beschreibung aber insofern Sinn, als es die Neugier auf die Geschehnisse in diesem von rätselhaften Figuren, religiösen Metaphern und abzweigenden Nebenhandlungen bevölkerten Krimi und Drama erhält und weckt. Großartig ist, wie Lanners die mal tragischen, mal komischen Stränge und Elemente zusammenführt und immer wieder mit leiser Ironie, aber auch unverhofften Momenten zu punkten weiß. Wortkarg inszeniert hat er auch in seinen früheren Filmen schon immer gerne, und ruppig dürfen seine Figuren, die man durchaus in sein Herz schließen kann, auch sein. Der Humor ist, wie kann’s anders sein, tiefschwarz.
Wie eingangs erwähnt gefällt dieser von einem schönen Independent-Western-Soundtrack untermalte Film auch durch seine die triste Landschaft stimmungsvoll festhaltenden Aufnahmen. Wenn da der Blick in den verhangenen Wolkenhimmel von unheilvoll grummelnden Geräuschen begleitet ist, dann ist das die richtige Stimmung für einen Plot, der zwar von der Finsternis, der Gewalt und auch dem Tod handelt, in denen sich aber auch die Liebe Bahn bricht.“ (Programmkino.de)

 

http://www.dasendeisterstderanfang-derfilm.de/

 

 

 

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